Der Bearded Collie - Hütehund

Der Bearded Collie als Hütehund

Früher und Heute

  

  

  

 

Der Bearded Collie als schottischer Hütehund

Lange Zeit wurde der Bearded Collie vor allem von Schottischen Schäfern als Hütehund eingesetzt. Der Beardie wurde gebraucht um die frei in den Highlands weidenden Schafe selbständig zusammen zu treiben und sie ins Tal zu seinem Schäfer zu bringen. Seinen Stil nannte man ‚huntaway’: Er lief selbständig den Berg hinauf und setzte vor allem sein gutes Gehör ein, um die Schafe zu lokalisieren. Wusste er etwa in welcher Richtung sie waren, nutzte er Anhöhen, um die Schafe ausfindig zu machen, die durch Felsen und Buschwerk nicht immer gleich zu sehen waren. Hatte er sie nun endlich gesichtet, lief er in großen Bogen um die Schafe herum, um sie zusammen zu treiben. Dabei nutzte er oft ein starkes, dauerhaftes Bellen, um auch die im Buschwerk und hinter Felsen versteckten Schafe hervor zutreiben und brachte die Gruppe ins Tal. Anschließend lief er erneut los, um sicherzustellen, dass nicht noch mehr Schafe verstreut waren – so lange, bis alle Schafe eingesammelt waren.

Im Tal wartete der ‚lesser dog’, oft ein älterer Beardie, der die Arbeit des ‚huntaway’ nicht mehr verrichten konnte. Dieser hielt je nach Gegebenheiten die Schafe zusammen oder pferchte sie unter den Anweisungen des Schäfers ein.

 

 

Hütestil des Bearded Collie

Die meisten Beardies arbeiten ‚loose-eye’ an den Schafen, d.h. dass sie in fast aufrechter Körperhaltung mit leicht vorgestrecktem Kopf hüten. Daher müssen sie in diesem Stil meist recht nah an den Schafen arbeiten, um diese in Bewegung zu setzten.

Beardies mit mehr ‚Auge’ arbeiten geduckter (allerdings nicht so extrem wie der Bordercollie). Sie können meist in etwas größerer Distanz zur Schafherde arbeiten, da sie über den Blick und die Körperhaltung mehr Druck auf die Schafe ausüben.

 

 

Der Beardie muss beim hüten nicht permanent bellen, kann es aber einsetzen, um störrische Schafe einzuschüchtern. Reicht ein bellen und herumhüpfen nicht aus, um das Schaf zu bewegen, darf er wenn nötig auch einmal zukneifen. Er darf beim Hüten keinerlei Aggression zeigen, dem Schaf Wolle herauszupfen oder unnötig zubeißen und muss stets – wenn es einmal nötig ist – dem Schäfer absolut gehorchen.

 

Der Beardie arbeitet sehr flink und schnell an den Schafen und ist äußerst wendig. Er kann alle Schafrassen (ob flinke oder störrische) und sogar Enten hüten. Früher wurde er oft auch für Rinderherden oder Ziegen eingesetzt und kann dies noch heute.

 

Eine Gradwanderung zwischen Selbständigkeit und Gehorsam

Der ‚huntaway’ verrichtet seine Arbeit in den Bergen ohne Kommando völlig selbständig. Er muss sich selber gegen störrische Schafe durchsetzen, ohne diese dabei zu verletzen, andererseits aber Mutterschafe mit Lämmern sehr vorsichtig behandeln.

Der ‚lesser dog’ dagegen muss eng mit dem Schäfer zusammen arbeiten, gerade beim Einpferchen schnell und präzise auf die Weisungen des Schäfers reagieren, ihm werden hier nur in geringem Maße Eigenentscheidungen erlaubt.

 

Was der Beardie behalten hat

Durch die Aufgabe des ‚huntaway’ ist der Beardie ein sehr eigenständig arbeitender Hund, der gewohnt ist selbständig Entscheidungen zu treffen, wenn er sie für richtig hält. Heute wird ihm das gerne als Dickschädel ausgelegt. Allerdings musste er genauso mit dem Schäfer arbeiten und schnell und präzise auf dessen Befehle reagieren. Daher ist der Beardie eigentlich ein gut zu führender Hund, WENN… Ja, wenn man ihm gewisse Freiräume schenkt und sich als bewährte Führungspersönlichkeit beweist. Dabei sollte man auch mal den Hinweisen seines Hundes nachgeben und ihn Entscheidungen treffen lassen. Trifft man dann noch den richtigen Ton, kann man das eigenständige Wesen des Beardies gut in annehmbare Bahnen lenken.

Als Hütehund war der Beardie es gewohnt weite Strecken zurücklegen zu müssen – ohne dabei jeden Tag gefordert zu sein. Er musste also sehr ausdauernd sein, auch wenn er nicht täglich Konditionstraining bekam. So wird ein Beardie heute noch bei einer Wanderung hellauf begeistert den Weg x-Mal rauf und runter sausen können, ohne müde zu werden – um nach einer ganz kurzen Pause erneut wieder für alle Schandtaten bereit zu sein. Dazu ist der Beardie ein sehr trittsicherer Hund, der auch heut noch gerne Anhöhen nutzt, um das Geschehen besser überblicken zu können.

Herrscht Ruhe und keiner bewegt sich, hört man einen Beardie selten Bellen, schließlich hätte er eine zusammen gesammelte friedlich grasende Herde mit seinem Gebell erschreckt – aber wenn Bewegung ins Spiel kommt, feuert er doch gerne ein wenig mit seinem Gebell an. Eines der Gründe, warum Beardies beim Spielen, Fahrradfahren oder Agility gerne die ‚Klappe offen haben’ (was nicht heißt, dass man das nicht auch zügeln kann!).

 


 

Hüteinstinkttests

Bei einem Hüteinstinkttest kann ein Beardie beweisen, was noch in

ihm steckt. Der Hund wird nach vorher überprüftem Gehorsam an

eine Schafherde herangeführt. Der Besitzer versucht dann diese

Herde zu teilen – und es wird auf die Reaktionen

des Hundes geachtet, ob/ wie er die Schafe wieder zusammen

bringt und ob/ wie er sie wieder seinem Besitzer zutreibt.

 

Dabei sind die Ergebnisse unterschiedlich. Es gibt Hunde die einen

guten Instinkt beweisen und gute Veranlagungen haben, und so

ohne es jemals gelernt zu haben, die Herde geschickt zu ihrem

Schäfer zurückbringen, ausbüchsende Schafe sofort wieder zur

Herde bringen, und ein unglaubliches Gespür haben, wie sie mit den

Schafen arbeiten müssen.

Aber es gibt auch Hunde, die gar kein Interesse an den Schafen

haben. Oft liegt dies aber auch an Sozialisation und guter Erziehung,

die sie artfremde Tiere absolut ignorieren und keine Entscheidungen

ohne Weisung ihres Menschen treffen lassen.

Aber es kann auch sein, dass der Hund keinen Hüteinstinkt mehr hat,

häufig durch das Züchten auf Aussehen und ohne bei den

Vorfahren wert auf Hüteeigenschaften gelegt zu haben.

Und dann gibt es natürlich auch die, die einfach nur Jagen.

Hüteverhalten ist prinzipiell (um)gelenktes Jagdverhalten.

Ob diese Hunde dann über Training das richtige Hüten lernen

können/ müssen, das muss dann im Einzelfall entschieden werden.

Es macht keinen Sinn einem Hund das Hüten beizubringen,

wenn nicht der Bedarf besteht, weil man etwa eine Herde zuhause

hat, bei deren Haltung man den Beardie als Arbeitshund benötigt!

 

Hüteseminare

Der Beardie gehört zu den Hütehunden, die auch auf einem

Hüteseminar mit den gebotenen Anforderungen klar kommen.

Obwohl sie keine reinen Koppelgebrauchshunde wie der

Bordercollie sind, für die in der Regel Seminare angeboten

werden, können sie trotzdem auch deren Aufgaben bewältigen.

Man kann mit Beardies sogar Bordercollie Trials arbeiten und

sie erfüllen ihre Aufgaben sehr gut.

 

Hier in Deutschland gibt es, so weit ich in Erfahrung bringen konnte,

leider keine Arbeitsbeardies mehr. In Amerika werden sie

aber vereinzelt noch als Hütehund eingesetzt und einige

bestreiten sogar mit ihren Beardies sehr erfolgreich Hütewettbewerbe!

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Update: 23.04.2017

Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangen Gerede. ” Louis Armstrong

Ein Hund der keine eine Aufgabe hat, wird zur Aufgabe!

Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit. Dafür schenken Sie uns restlos alles was Sie zu bieten haben. Es ist zweifellos das beste Geschäft, was der Mensch je gemacht hat. ”Roge

Neid ist die negative Form der Zuwendung.